Familienwochenende in Rot an der Rot

Das Familienwochenende des LVH in Rot an der Rot fand auch im Jahr 2026 in der besonderen Umgebung des Jugendhauses St. Norbert statt und bot ein vielfältiges Programm für Teilnehmende aller Altersgruppen. In der traditionsreichen ehemaligen Klosteranlage kamen Familien zusammen, um sich auszutauschen, neue Impulse zu gewinnen und gemeinsame Aktivitäten zu erleben.

Der erste Abend begann mit einem lockeren Zusammensitzen in der Kellerschenke. Während die Erwachsenen sich bei Getränken über aktuelle Herausforderungen, Schule, Beruf und „Gott und die Welt“ austauschten, wurden an den Tischen bereits die ersten Magic‑Karten ausgepackt. Die Kinder streiften durch die perfekte Kloster‑Kulisse, spielten draußen, erkundeten das Gebäude und fanden schnell Anschluss – ganz unabhängig vom Alter. Dieses harmonische Miteinander ist seit Jahren ein Markenzeichen des Wochenendes und beeindruckt jedes Mal aufs Neue.

Workshops für alle – von Familien gestaltet

Der Samstag stand ganz im Zeichen der Workshops. Jede teilnehmende Familie bot einen eigenen Kurs an. Das Orga‑Team hatte im Vorfeld einen „Stundenplan“ erstellt, der es Kindern wie Erwachsenen ermöglichte, sich auszuprobieren, Neues zu lernen und gemeinsam kreativ zu werden. Die Vielfalt der Angebote war beeindruckend und zeigte, wie bunt die Interessen und Talente innerhalb der LVH‑Gemeinschaft sind.

Im Aquarell‑Workshop konnten Teilnehmende jeden Alters mit Farben experimentieren – nass‑in‑nass, Layering oder spontane Klecks‑Kunst, der Magic‑Standard‑BO3‑Kurs bot ein Turnier für ältere Kinder und Erwachsene. Beim Origami‑Workshop entstanden bunte Tiere aus Papier und im Kurs „KI – Was sind Deine besten Prompts?“ wurde über die Grundlagen künstlicher Intelligenz, ihre Möglichkeiten und Grenzen diskutiert.

Hier entstand auch das KI‑generierte Bild, das eine Gruppe Hochbegabte bei einem KI-Workshop im Kloster darstellen soll:

Wer Lust auf Rollenspiel hatte, tauchte im Paranoia‑TTRPG in den dystopischen Alpha‑Komplex ein, stets begleitet vom allwissenden Computerfreund. Im Chinesischkurs für Anfänger wurden die Entstehung der Zeichen, Strichfolgen und Pinyin erklärt, im Kurs Hebräisch und Arabisch wurden Gemeinsamkeiten zweier faszinierender Sprachen entdeckt. Der Sensorik‑Workshop bot Blindverkostungen und Grundlagen der Wahrnehmung. Sportlich wurde es beim Joggen für Einsteiger, in den Tanz‑Workshops beim HYROX‑Grundlagenkurs. Im Yu‑Gi‑Oh‑Workshop lernten die Teilnehmenden die Unterschiede zu Magic kennen, und im Exitgame „Codename 1337“ mussten Passwörter zurückerobert und Rätsel gelöst werden. Für ruhige Momente sorgte Entspannung durch Vorlesen – besonders Barack Obamas „Of Thee I Sing: A Letter to My Daughters“ berührte die Zuhörer*innen.

Was das Wochenende besonders prägt: Die Gespräche enden nie. Auch im Speisesaal wurden Kursinhalte weiterdiskutiert, Tipps ausgetauscht, Erfahrungen geteilt. Die Mischung aus Lernen, Spielen, Bewegung und Begegnung schafft eine Atmosphäre, in der sich alle wohlfühlen – Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Präsentationen und Abschied

Am Sonntag präsentierten die Workshops ihre Ergebnisse: Aquarellbilder, Origami‑Tiere, eine kleine Tanzchoreografie, chinesische Schriftzeichen, Erkenntnisse aus dem KI‑Kurs, HYROX‑Erfahrungen und vieles mehr. Zwischendurch wurde natürlich weiter Magic gespielt und fleißig Telefonnummern getauscht.

Der Termin für das nächste Familienwochenende steht auch bereits fest: 25.–27. Juni 2027.

Das Anmeldezeitraum beginnt im Frühjahr 2027 mit der Veröffentlichung der Veranstaltung im LVH-Veranstaltungskalender.

Wir können kaum erwarten, dass es wieder soweit ist!

„Was bedeutet G9 für hochbegabte Kinder?“

„Was bedeutet G9 für hochbegabte Kinder?“ Unter dieser Überschrift steht eine Podiumsdiskussion des Landesverbands Hochbegabung am 24. Februar im Haus der Wirtschaft in Stuttgart. Eine Umfrage unter Eltern vorab zeigt, wie vielschichtig diese Fragestellung ist.

Die Resultate beweisen, dass die Eltern sowohl bei G8 als auch bei G9 Vor- und Nachteile sehen. 53 Prozent der Befragten bevorzugen das aktuelle G8-Modell, 47 Prozent sprechen sich für den neuen G9-Zug ab dem Schuljahr 2025/26 aus.

Die G8-Befürworter sehen die Hauptvorteile bei einer kürzeren Schulzeit und einem intensiveren Lernen. Weniger Langeweile durch komprimierten Stoff und weniger Wiederholungen kämen hochbegabten Kindern entgegen, argumentieren die Eltern. Ein frühes Abitur ermögliche einen frühen Studienbeginn und damit ein Arbeiten, das den Interessen der jungen Menschen entspricht. Eine frühere Spezialisierung bedeute eine höhere Eigenmotivation und damit mehr Erfolg in der Schule, argumentieren G8-Befürworter.

Mehr Zeit für außerschulische Aktivitäten sowie eine bessere Balance zwischen Schule und Freizeit führen hingegen die Eltern ins Feld, die sich für ihr Kind G9 wünschen. Die Belastung sei beim achtjährigen Weg zum Abitur zu hoch, „die Kinder sollen noch Kind sein“, betonen mehrere Eltern. Zudem seien viele Jugendliche, die G8 gemacht hätten, noch zu unentschlossen, wohin die Reise gehen soll, und hätten ein Jahr zur Orientierung eingelegt. Dass Kinder, vor allem hochbegabte, die eventuell noch eine Klasse übersprungen haben, unreif aus der Schule entlassen werden, wird mehrfach bemängelt.  Der vermeintliche Zeitgewinn sei dadurch wieder verpufft.

Timea Ircsik, Vorsitzende des Landesverbands Hochbegabung, ordnet die aktuelle Debatte ein: „Zahlreiche Eltern berichten von einer „schrecklichen Schulzeit‘ ihrer Kinder und wollen diese auf keinen Fall um ein Jahr verlängern. Langeweile im Unterricht ist nur eine der vielen Ursachen und G9 könnte diese Probleme noch verschärfen“, betont sie. „Daher erhoffen wir uns, dass mit der Anpassung des Bildungsplans auch die Gelegenheit wahrgenommen wird, die Lerninhalte so zu gestalten, dass sie für Hochbegabte mehr Herausforderungen bieten.“

Eine große Chance sieht der LVH darin, dass das Überspringen einer Klasse künftig zur Normalität wird, auch an weiterführenden Schulen. Dafür brauche es jedoch mehr Klassenstufen übergreifende Angebote und mehr Möglichkeiten für das Drehtür-Modell, auch an kleineren Schulen, zeigt Ircsik.

„Es müssen dringend mehr Ressourcen und Programme für die außerunterrichtliche Förderung hochbegabter Kinder zur Verfügung gestellt werden. Mehr AGs, anspruchsvolle Projekte und die Teilnahme an Wettbewerben erfordern finanzielle Unterstützung vom Land und vor allem mehr Anrechnungsstunden für die Lehrkräfte im Ergänzungsbereich“, appelliert die Vereinschefin an die Politik. 

Der LVH hofft, dass die seit der Gründung des Vereins bestehende Probleme mit den neuen Bildungsplänen nun endlich angegangen werden und die Situation hochbegabter Kinder und Jugendlichen im Land nachhaltig verbessert wird.

Die Podiumsdiskussion zum Thema „Was bedeutet G9 für hochbegabte Kinder“ findet am Montag, 24. Februar, um 18:30 Uhr im Haus der Wirtschaft in Stuttgart statt. Anmeldung unter kontakt(at)lvh-bw.de.

2e-kids-Studie in Ulm gestartet

Pressemitteilung vom 15.02.2024

Stuttgart. Vor wenigen Wochen startete eine neue Studie zu Underachievement bei intellektueller Hochbegabung an der Universität Ulm. Das Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Iris-Tatjana Kolassa will mit der Studie ein besseres Verständnis der Ursachen von Minderleistung erreichen.

Schwache Schulleistung trotz hohen Potenzials

Der Landesverband Hochbegabung Baden-Württemberg e. V. begrüßt die Studie als wichtigen Schritt in der Intelligenzforschung.  LVH-Vorsitzende Tímea Ircsik kommentiert: „Für zahlreiche Familien mit hochbegabten Kindern, die ihr Potenzial nicht entfalten können, bedeutet die Studie eine Antwort auf ihre Fragen und eröffnet möglicherweise neue Handlungsfelder.“ Untersuchungen zeigen, dass etwa 15 {ef64c43a9324ce2bde1c31de6ef7d178bce3e65ec702cb315b555f48a1443126} aller Hochbegabten nur mäßige oder schwache Schulleistungen erbringen. Die Gründe sind vielfältig; mit Hilfe der Studie erhofft man sich, systematische Auffälligkeiten aufzudecken und näher zu beleuchten.

Erkenntnisse sollen die Entwicklung geeigneter Fördermaßnahmen bewirken

Ircsik ergänzt: „Die Anregung zu wissenschaftlichen Arbeiten im Bereich der Hochbegabtenförderung ist ein Vereinsziel des LVH, das bereits bei der Gründung 1998 in der Satzung verankert wurde.“ Die Studie wird durch den LVH gefördert; die Ergebnisse der Studie kommen allen Kindern und Jugendlichen zu Gute, die sich in der Schule trotz hoher Intelligenz schwertun oder sogar versagen. Viele verzweifelte Eltern suchen beim Landesverband Hochbegabung Unterstützung: „Wir können Ihnen jetzt Mut machen“, so Ircsik.

Gesucht werden für die Untersuchung hochbegabte Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren!

Für Anmeldung und für weitere Informationen kontaktieren Sie das Team per E-Mail: 2e-kids@uni-ulm.de .

https://www.uni-ulm.de/in/psy-kbio/forschung/laufende-projekte/2e-kids/

https://www.fachportal-hochbegabung.de/fragen/underachievement-was-ist-das

https://www.fachportal-hochbegabung.de/oid/10048

https://www.fachportal-hochbegabung.de/oid/10135

Wenn Langeweile zur Qual wird

Pressemeldung 24.09.2022

Göppingen/Bad Boll. Sie klagen in der Schule über monotones Wiederholen des Unterrichtsstoffs, ein zu langsames Lerntempo und zu leichte Aufgaben. Wird die Unterforderung und Langeweile zu groß, können diese Kinder zu Störenfrieden, emotional unausgeglichen oder gar aggressiv werden und in letzter Konsequenz den Kita- oder Schulbesuch vermeiden.