Hochbegabte Kinder bauen Mini-Garten im Glas
Zehn Kinder nahmen am Mikrokosmos‑Workshop am 28.02.2026 im Alten Rathaus in Heilbronn-Böckingen teil. Zu Beginn erzählte der Referent Gunde Linder, selbst Gärtner und großer Liebhaber des „Gärtnerns im Glas“, Spannendes über die Geschichte dieser besonderen Form von Mini-Gärten. Wer hätte gedacht, dass ihre Ursprünge im London der Industrialisierung liegen? Anschließend erklärte er die Funktionsweise eines Mikrokosmos – eines in sich geschlossenen Kreislaufs – und welche Pflanzen sich eignen (und welche überraschenderweise nicht). Auch die einzelnen Schritte beim Anlegen eines solchen Glases wurden genau erläutert.
Die Kinder, alle zwischen fünf und acht Jahren, warteten indes ungeduldig auf den Start. Dann ging es endlich los: Die ersten Schichten wanderten ins Glas, wobei die Reihenfolge stets beachtet werden musste. Zwei ältere LVH‑Jugendliche unterstützten die Gruppe, wobei sich schnell zeigte, dass beim Einsetzen der Mini-Pflanzen kleine Hände eindeutig im Vorteil waren. Die Arbeit mit den langen Pinzetten machte großen Spaß und schon bald zeigten die Kinder beeindruckende Kreativität und erstaunliche Präzision.
Auch Tiere kommen ins Glas?!?
Besonders aufregend wurde es beim Verteilen der Springschwänze. Jeder wollte seine winzigen neuen „Haustiere“ bekommen – gar nicht so einfach, denn die kleinen Helfer, die später die Pflanzenreste zersetzen, versteckten sich geschickt im großen Behälter. Die Atmosphäre war herzlich und offen; selbst Kinder, die vorher niemanden kannten, tauten allmählich auf. Es war schön zu beobachten, wie sie auf die Fragen des Referenten eingingen, ihr Wissen teilten und anschließend mit Begeisterung in der Erde wühlten.
Am Ende konnten sich die Ergebnisse sehen lassen. Stolz nahmen die Kinder ihre kleinen Gärten im Glas mit nach Hause – und werden hoffentlich in den kommenden Monaten und Jahren beobachten, wie ihre Pflanzen wachsen und sich die Springschwänze vermehren.
Nach dem praktischen Teil blieb noch Zeit zum Aufräumen, für ein Stück Hefezopf und eine Runde Flüsterpost. Einige Kinder verabredeten sich gleich fürs nächste Mal und erkundigten sich neugierig nach dem nächsten Workshop-Thema – ein schönes Zeichen und zugleich ein kleiner Ansporn, bald wieder ein ähnliches Angebot zu machen.
Austausch in diesem Alter schon wertvoll
Gerade für Kinder in diesem Alter ist es wichtig, andere hochbegabte Kinder zu treffen, miteinander ins Gespräch zu kommen, zu spielen und gemeinsam zu lernen. Natürlich sprechen sie nicht über Hochbegabung oder Testergebnisse – und doch spüren sie, dass sie unter Gleichgesinnten sind. Bereits mit vier Jahren merken viele hochbegabte Kinder, dass sie „anders“ sind, und empfinden dies oft als Mangel. Manche versuchen, ihre Interessen und Fähigkeiten zu verstecken, andere setzen sie laut und manchmal unpassend durch. Beides ist auf Dauer belastend. Umso wertvoller sind Räume, in denen sie erleben können: Ich bin nicht allein.
Der Landesverband Hochbegabung Baden‑Württemberg e. V. hat es sich zum Ziel gesetzt, hochbegabte Kinder miteinander in Kontakt zu bringen und ihnen intellektuelle Förderung zu ermöglichen. In den Elterngruppen finden Workshops, Ausflüge und Führungen statt, ergänzt durch überregionale Angebote wie das Mathecamp (8–13 Jahre), das Politikcamp (13–16 Jahre) und das Post‑Policamp (14–21 Jahre).
So entstehen Begegnungen, die nicht nur Wissen vermitteln, sondern Kindern das Gefühl geben, genau richtig zu sein – so, wie sie sind.
